#maximaCOMEPASS: Ich seh‘, ich seh‘, was du nicht siehst

Beurteile ein Buch nach seiner Farbe

Vor meinen Augen habe ich schwarze Buchstaben auf weißem Grund, ich bin ganz ruhig. In meinem Inneren lebe ich in einer farbenfrohen Geschichte, die nicht meine eigene ist. Da gehe ich, da stehe ich, da leide ich, da lache ich. Sie zeigt mir, was die Welt alles sein kann; düster, warm, nebelig, verschwommen oder strahlend klar. Etwas bleibt in mir zurück von der Geschichte, von diesem anderen Leben. Etwas nehme ich mit in meine Welt, in der ich vor den beschreiben Seiten sitze.

Beim Thema des maximaCOMEPASS Blogger-Awards „Colour of Life“ denkt man nicht zuerst an Bücher. Ich natürlich schon.

Beurteile nie ein Buch nach dem Cover, heißt es. Der Spruch will sagen, dass das Äußere oft irreführend ist, dass es das Innere ist, was zählt. Das versteht mein Verstand, aber mein Augen und mein Sprechzentrum funktionieren anders. Als visuell orientierter Menschen beurteile ich die Covergestaltung und den Buchtitel. Speziell der Titel weckt Hoffnungen und Erwartungen an das Buch. Ich liebe gute Titel. Der Titel steht dem Inhalt des Buches näher, als das Cover, das der Autor nicht selbst gestaltet hat. Den Titel bestimmt er oder er hat zumindest Mitspracherecht. Wenn die Worte am Titel einen Farbnamen beinhalten, was sagt mir das über das Buch? Ist meine Erwartung dann eingefärbt? Was kann mir die Farbe über die Geschichte sagen?

Ich führe Dich heute zu einem Regenbogen der Österreichischen Literatur. Fünf Bücher mit einem farbigen Titel stelle ich heute vor. Ich mache es dabei spannend. Zuerst geht es darum, was mir das Buch verspricht und wenn Du ganz unten dem Link folgst, erfährst du auch, ob das Buch sein Versprechen gehalten hat.
(Hier kommst Du zum Making Of und zur Bibliographie)

Olga Flor: „Ich in Gelb“

Was erwarte ich mir vom Buch, nachdem ich den Titel gelesen habe?

Es gibt hier in „Ich“ dass sich schon unbedingt in den Titel einbringen muss. Und das „Ich“ dürfte viele Farben haben, aber diesmal ist es in Gelb. Ist es nur gelb angezogen, geht es also um Mode? Oder geht es um einen inneren Zustand? Gelb steht für Neid. Das Bild am Buch zeigt eine rosa Qualle auf blauem Hintergrund, nur die Buchstaben des Titels sind in gelb gedruckt.

Wofür steht die Farbe?

Gelb ist zwiespältig. Einerseits steht es für Sonne, Wärme, Gold und Reife, aber anderseits auch für Neid und Egoismus. Sie wird als Warnfarbe verwendet und hat eine gute Signalwirkung.

 

David Pfeifer: „Die Rote Wand“

David Pfeifer:

Was erwarte ich mir vom Buch, nachdem ich den Titel gelesen habe?

Das Bild am Buch zeigt einen rot eingefärbten Berg und eine Frau in Uniform von hinten in Schwarz Weiss. Damit ist auch für mich als Burgenländerin klar, die Roten Wand kann keine unverputzte Ziegelmauer sein, sondern muss ein Berg sein. Und das Schwarz/Weiss weist auf einen historischen Stoff hin. Meine Vermutung ist, es geht um eine Schlacht auf dem Berg.

Wofür steht die Farbe?

Rot steht für starke Gefühle, wie Liebe, aber auch Hass. Sie ist die Farbe des Kommunismus, die Farbe des Blutes, eine Signalfarbe und sie steht oft auch für Verbotenes.

 

Katharina Kutil: „Rosa Blau beißt sich durch“

Katharina Kutil: Rosa Blau beißt sich durch

Was erwarte ich mir vom Buch, nachdem ich den Titel gelesen habe?

Zu Lila, Violett oder Rosa finden sich laut meiner Recherche nur Buchtitel, die nicht in meinen bevorzugten Genres angesiedelt sind. Schmalzige Liebesromane, erotische Romane oder esoterische Bücher. Dieser Roman ist also mein Kompromiss. Rosa ist hier klar ein Name und mit Blau als Nachnamen geht es bei mir als Lila durch. Das Bild am Cover zeigt eine Torte und das beißen im Titel deutet auch darauf hin, dass es um Essen geht. Und um schwierige Umstände die Frau Blau überwinden wird. Meine Erwartungen sind niedrig.

Wofür steht die Farbe?

Rosa, das abgeschwächte Rot steht für süß, zart und weiblich. Violett ist die Farbe der Macht, des Feminismus, der Eitelkeit, aber auch der Magie. Lila, das abgeschwächte Violett, ist die Farbe der alten Jungfern.

 

Clemens J. Setz: „Indigo“

Clemens J. Setz

Was erwarte ich mir vom Buch, nachdem ich den Titel gelesen habe?

Indigo bezeichnet einen bestimmten Bauton. Mehr Hinweise gibt der Titel nicht. Das Buch ist auch nicht Indigoblau sondern eher in eine Scharzblau getaucht auf einem kleinen Bild sieht man einen Menschen mit nacktem Oberkörper sitzen. Sein Rücken und das Zimmer sind mit bunten Schmetterlingen bevölkert. Eine meiner Hoffnung ist, dass es um Stofffärber in Indien geht, aber da ich vom Autor schon etliches gelesen habe, weiss ich Clemes J. Setz ist nonverbal akustischer Synästhethiker, das heißt, er kann Töne als Farben wahrnehmen. Meine Idee wären Tropfen in eine leere blecherne Gießkanne; Nacht und Berührung sind meine weiteren spontanen Assoziationen.

Wofür steht die Farbe?

Blau ist der Himmel und das Meer, ewig und unendlich. Sie ist die Farbe der Sehnsucht, der Treue, aber auch der Kälte. Blau steht auch für das Reich der Phantasie.

 

Heinrich Steinfeld: „Das grüne Rollo“

Heinrich Steinfest

Was erwarte ich mir vom Buch, nachdem ich den Titel gelesen habe?

Ein Rollo trennt zwei Bereiche. Innen und außen, es hält Blicke fern, kann aber nach Wunsch wieder aufgerollt werden. Es könnte hier um zwei Welten gehen, schließlich hat das Buch der leicht ins Phantastische gleitende Heinrich Steinfest geschrieben. Aber warum ist das Rollo grün? Am Cover befinden sich unter dem Rollo Fische. Geht es um Wasser? Da wäre doch blau besser? Und im Wasser kann man mit einem Rollo gar nichts anfangen. Geht es um eine Pflanze? Eine Zimmerpflanze am Fensterbrett, die der Rollo immer im Weg ist? Hm… Es wird auf jeden Fall interessanter sein.

Wofür steht die Farbe?

Grün ist die Farbe der Natur und damit des Lebens. Sie ist die Farbe des Beginns, der aufkeimenden Liebe und der Hoffnung und des Frühlings. Sie kann aber auch das Unreife, das Giftige anzeigen.

Was hat also die Farbe mit dem Inhalt zu tun? Hier kommst du zur Auflösung.