Woran Mama arbeitet

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Als ich Mutter wurde, wusste ich nicht, wie dieser Umstand mein Arbeitsleben verändern würde.

Ich bin davon ausgegangen, dass ich nach der Karenz zwar weniger Stunden wieder einsteigen werde, aber genauso weiterarbeiten könne wie bisher. Gut, ich würde ein Aufgabengebiet vielleicht reduzieren oder abgeben müssen. Damit habe ich gerechnet.

Womit ich nicht gerechnet hatte war, dass ich den Schreibtisch bekommen würde, der mit dem Rücken zur Tür steht, sodass jeder auf meinen Bildschirm sehen kann. Womit ich nicht gerechnet hatte, war dass ich die kleinsten, uninteressanten Projekte zugeteilt bekommen würde. Womit ich nicht gerechnet hatte, war, dass ich nicht mehr ganz für voll genommen würde, als erledige ich die Arbeiten als eine Art Hobby.

Dabei ist es für mich ganz anders. Ich bin motivierter und effizienter wie nie zuvor. Ich freue mich auf die Arbeit. Sie ist eine sinnvolle, gewinnbringende und entspannte Ergänzung zum Familienleben.

Leider wird das nicht oft gesehen. Es gibt aber ein Buch, dass Müttern hilft, ihre Potential nach außen zu tragen, und nicht zu verstecken: „Die geheimen Kräfte von Super Moms – warum Mütter außergewöhnliche Fähigkeiten besitzen“ von Anika Harb.

Anika Harb ist Psychologin und zweifache Mama. Sie weiß, wovon sie spricht. Sie will erreichen, dass Kinder im Lebenslauf nicht verschwiegen werden, sondern hervorgehoben werden und Personalverantwortlichen endlich klar wird, welch qualifizierte Fachkraft sie erwartet.

Die Mutterschaft, aber auch die Vaterschaft, dass ich der Autorin genauso wichtig, und der Umgang mit in Kindern entwickelt ganz neue Stärken und Kompetenzen in uns. Anika Harb spricht von Superkräften. Sie listet einen ganzen Haufen dieser Kräfte auf: Stressresistenz, Resilienz, Zeitintelligenz, Organisationsstärke, Kommunikationskompetenz, Zielorientierung, Kreativität, Führungsstärke, Kritikfähigkeit, Teamgeist, Konfliktfähigkeit und Vertrauen. An all diesen Themenbereichen wächst man durch den Umgang mit Kindern. Jeder Kraft ist ein Kapitel gewidmet, dass mit Beispielen hinterlegt wird, die einem sehr bekannt vorkommen und einen ein wenig schmunzeln lassen. So erklärt Harb, wie man ganz gelassen mit einem tobenden Kind unter dem Arm noch konstruktive Gespräche mit der Nachbarin führen kann und wie man einen Fünfjährigen dazu bringt, nicht in der Badehose zu Omas Geburtstag zu gehen. Die Autorin geht dann von der Beispielebene auf eine allgemeine Ebene und betrachtet von hier aus noch einmal mit einer gewissen Distanz und Professionalität unsere Handlungsweisen. Man kann hier über beides etwas lernen: über Kindererziehung, aber auch über den professionellen Umgang im Berufsleben.

Zwischen den Kapitel sind noch Interviews mit Müttern eingefügt, die ich allerdings für nicht ganz gelungen halte, weil die Autorin der Interviewpartnerin oft schon die gewünschten Wort in den Mund legt.

Ich habe durch meine Mutterrolle gelernt Prioritäten zu setzen (das Baby schläft: soll ich zuerst auf WC gehen, essen, duschen oder schlafen?) und ein realistisches Zeitmanagement mit ausreichenden Puffern zu betreiben. (Tobsuchtsanfall einplanen, einen Krankheitstag der Kinder im Monat in meine beruflichen Projekte einplanen, damit ich mich nachher nicht rechtfertigen muss.)

Ich habe gelernt, dass ich mögliche Einschränkungen schon bei der Projektankündigung angeben muss, um Frustrationen bei meinem Gegenüber zu vermeiden. Das funktioniert mit: wir gehen heute am Nachmittag in den Park, aber nur wenn das Wetter hält, bis, ich kann das Projekt zeitgerecht abschließen, aber nur wenn ich die behördlichen Angaben rechtzeitig bekomme.

Wenn man das Buch weglegt, kann man kaum verstehen, warum man sich noch vorher so klein, so unwichtig, so inkompetent gefühlt hat. Da pochen die Superkräfte in der stolzen Mutterbrust. Es gilt aus dem Vollen zu schöpfen und das eigenen Licht unter dem Scheffel hervorholen. An die Arbeit!