Bücher sind kein Mist

Zero Waste und Bücherliebhaberei, wie kann das funktionieren?

Bei Zero Waste geht es darum Müll zu vermeiden. Es geht auch darum, die Dingwelt zu vereinfachen und das Materielle einzusparen. Ich habe vor Kurzem damit begonnen mein Leben auf Müllreduktion auzurichten und mich gefragt, wie ich nun mit Büchern umgehen soll.
Ein Buch ist einerseits die Geschichte, die uns das Herz erwärmt und andererseits das Trägermaterial, auf dem diese Geschichte festgehalten ist, sei das das Buch aus Papier oder seien es die Datein am eReader (Hörbücher betrachte ich hier nicht). Im nachfolgendne Text geht es um das Materielle des Buches. Die Geschichte hat ein Eigenleben. Die Geschichte besitzt du, indem du sie liest, indem du darüber nachdenkst, indem du darüber redest, nicht indem ein Buch mit dieser Geschichte in deinem Schrank steht.

REFUSE (Lehne ab!)

Lehne alles ab, was du nicht brauchst, ist die erste Regel im Zero Waste, lass es gar nicht erst ins Haus kommen.
Bücher kommen normalerweise nur ungefragt ins Haus, wenn man sie geschenkt bekommt. Damit du einen wohlmeinenden Schenker nicht vor dem Kopf stoßen muss, erstelle zum Beispiel vor Weihnachten oder vor deinem Geburtstag eine Bücherwunschliste, die du an deine potentiellen Schenker verteilst. Generell ist es heikel Bucherwürmer Bücher zu schenken. Bloggerkollege Tobias von Buchrevier hat die Gründe dafür wunderbar auf den Punkt gebracht.

Es gibt noch einen Fall, wie man unverhofft zu Büchern kommen kann. Das passiert häufig in Buchhandlungen, die man aufsucht, um nur das eine, ganz bestimmte Buch zu kaufen, und die man dann mit einem schweren Sackerl voller Bücher wieder verlässt. Da hat der Jagdtrieb wiedereinmal das Kommando übernommen. Eine einfache Methode das zu umgehen, ist, dass du das ganze Szenario von der Buchhandlung in die Bücherei verlegst. Die Bibliothekare sehen es gerne, wenn der Sack voller Bücher wieder zu ihnen zurückkommt. (Vergleiche auch mit REUSE)
Und wenn du Bücher kaufst, dann lasse sie dir nicht per Post zuschicken, sondern hole sie selbst von deiner Lieblingsbuchhandlung ab. So sparst du Verpackungsmaterial. Bei der Abholung lehne das angebotene Sackerl ab und verweise auf deine mitgebrachte Tasche. Und wenn es geht, vermeide die Plastikfolie in die das Buch eingeschweißt wird. Wie? Indem du zum Beispiel die Taschenbuchausgabe kaufst oder Verlage bevorzugst, die ihre Bücher bewusst nicht einschweißen.

REDUCE (Reduziere!)

Reduziere deinen Besitz und deinen Bedarf, ist die zweite Regel im Zero Waste.

Die Reduktion des Besitzes fällt mir leicht, seitdem mein Mann für meine gesamten Bücher nur ein Bücherregel bewilligt hat. Zuerst habe ich diese Regel, sehr blöd gefunden, mittlerweile finde ich sie super. Denn ich weiß, dass ich in diesem Schrank nur meine Lieblingsbücher und keinen Mist finde.
Das schaffe ich, weil ich die meisten Bücher aus der Bücherei ausborge und mir nur die wirklich Wichtigen selber kaufe. Was sind die wichtigen Bücher? Zum einen sind das meine Lieblingsbücher, damit ich immer wieder einmal reinlesen kann. Dann gibt es die schönen Bücher, also die, die graphisch oder handwerklich außergewöhnlich sind, wo das Buch als künsterisches Werk zählt. Zum anderen sind das Bücher, die Anleitungen enthalten, wie zum Beispiel Kochbücher, Yogabücher, Ratgeber oder andere Bücher, in die ich immer wieder einmal schauen muss, um bestimmte Dinge tun zu können. Sicher, all das kann man auch im Internet nachschauen, aber ständig den Code am Handy einzutippen oder den Computer surren zu hören ist für mich nicht alltagstauglich. Über die von mir gelesenen Bücher führe ich eine Liste mit wenigen Stichworten, so kann ich mich besser erinnern und brauche die Bücher nicht im Regal aufbewahren.
Wenn du eine Ausmistaktion starten willst, dann kann ich dir die Methode von Marie Kondo ans Herz legen. Sie beschreibt in ihrem Buch „Magic-Cleaning – wie richtiges Aufräumen Ihre Leben verändert“ wie man es schafft, sich nur mit glücklichmachenden Dingen zu umgeben. Was du mit den ausgemisteten Büchern machen kannst, findest du weiter im Kapitel REUSE.
Den Bücherbedarf zu reduzieren finde ich sehr viel schwieriger. Ich brauche Geschichten, sowie Schokolade täglich. Ich brauche vor allem gute Geschichten. Ich bin aber aufgrund der recht neuen Erkenntnis, dass meine Lebenszeit begrenzt ist, dazu übergegangen nur mehr die guten Bücher fertigzulesen. Ich verschwende keine Zeit mehr mit den Büchern, die mich ärgern. Hier ist es also wichtig eine gute Buchempfehlungsquelle zu haben. Das kann dein Lieblingsbuchhändler, deine beste Freundin, deine Lieblingsbücherbeilagen, deine Lieblingsblogger sein, also eine Quelle, die deinen Geschmack trifft und dir die Auswahl an Büchern erleichtert. Und natürlich ist es nachhaltiger dickere Bücher zu lesen, weil damit der Herstellungsaufwand besser abgegolten wird.
Und nun geht es zu den eBooks, die jedem zuerst einfallen, wenn es um Zero Waste geht. Leider sind eBooks nur für eine bestimmte Personengruppen eine ökologischere Lösung als papierene Bücher, nämlich für Vielleser (mehr als 50 Bücher im Jahr). Denn der Reader verschlingt bei der Produktion sehr viele Ressourcen und Strom muss auch noch jedes Mal aufgewendet werden. Auf Utopia findest du mehr Details darüber. Mit der Nutzung der Bücherei lebst du viel nachhaltiger.

REUSE (Verwende Bücher weiter!)

Verwende Bücher weiter! Bücher kann man unzählige Male wiederverwenden. Gehe zur Bücherei. Gehe zum Bücherschrank und verleihe selbst. Es ist einfach und macht Spaß. Deponiere Bücher zur freien Entnahme im Eingang deines Wohnhauses, biete sie der bücherfressenden Kollegin/Schwägerin/Freundin an, deponiere sie in Bücherschränken. Auch die Caritas nimmt sie gerne. Ich habe vor einiger Zeit schon gepostet, wo du Gratisbücher herbekommst, oder auch Bücher für wenig Geld. Diese Ressourcen kannst du füttern. Mittlerweile gibt es auch Portale zum Büchertauschen und -verkaufen.

Starte einen Kreislauf, bringe Bücher in Umlauf. Das hat auch den Vorteil, dass du mit mehr Menschen über ein und dasselbe Buch reden kannst.

RECYCLE (!)

Wenn die guten Stücke nicht mehr brauchbar sind oder der größte Schund aller Zeiten, von dem du nicht willst, dass er weiter in der Welt verbreitet wird, dann bastle mit Bücher. Im Internet, speziell auf Pinterest sind zahlreiche Anregungen dazu zu finden und es gibt darüber auch ein Buch 😉

ROT (Verrotte, Kompostiere!)

Für Papier gibt es Lebensdauerklassen, von mindestens 50 bis mehreren hundert Jahren, denn jedes Archiv, jede Bibliothek weiß, dass Papier nicht ewig hält. Feuchtigkeit, Schädlinge, Licht, aber auch Schweiß macht Papier zu schaffen. Das Verrotten muss also funktionieren. Mir fällt aber gerade kein Buch in meinem Besitz ein, bei dem ich das ausprobieren möchte. 😉
Und wie lange der eReader zum verrotten brauchen würde, will ich gar nicht wissen.

FAZIT

Was ist also das Ergebnis? Kurz gesagt: lese nur gute Bücher aus der Bücherei, die du zu Fuß mit deinem Stoffsackerl abholst. 😉 Das ist sicher das beste für die Umwelt.
Die Büchereinutzungsmethode hat auch Nachteile. Wie damit die Autorenleistungen abgegolten werden, wie mit dieser Methode Verlage überleben können, steht auf einem anderen Blatt.

Wenn dir noch etwas dazu einfällt, du Tipps und weitere Gedanken hast, die du teieln möchtest, so schreib doch einfach ein Kommentar!