Erste Etappe von „Morgen mehr“

shot_1456142123634Hier kommt wie versprochen, ein Zwischenbericht über Tillman Rammstädts täglichen Fortsetzungsroman.

Ein Fortsetzungsroman funktioniert bei mir im Alltag dann wohl doch nicht. Während ich anfangs noch brav jeden Tag mitgelesen habe, waren mir die Häppchen doch zu kurz und begann sie aufzuheben und in einer ruhigen Minute binge- zu readen, oder wie sagt man da? Täglich muss für mich nicht sein, einmal in der Woche lese ich sie nun im Schnitt.
Das praktische ist, die Kapitel kommen täglich um 8:00 per Mail aufs Handy und ich habe sie immer dabei.

Rammstädt schreibt einen Roadroman (Roadmovieroman? Straßenroman? Autoreiseroman?). Sein Erzähler versucht, seinen unbeholfen Vater und seine trauernde Mutter, die sich noch nicht einmal kennen und sich in verschiedenen Ländern befinden, zu vereinen, damit er endlich geboren werden kann. Ein spannendes, ungewöhnliches Setting, starke Figuren, die leicht in karikaturhafte zu gleiten drohen, Cliffhänger fast täglich, skurrile Betrachtungen, witzige Situationen. Was will man mehr? Das ist keine Geschichte zum Weglegen, da will man mehr davon wissen, denn sie ist so erfrischend unvorhersehbar. Gut, die Eltern werden sich finden, aber da bleiben noch so viele Hindernisse, so viele Kilometer dazwischen, da muss man dranbleiben.

Nett ist, dass die Leser zum Mitmachen aufgefordert werden. Eine sehr gesittete Community kommentiert brav die einzelnen Abschnitte im Leseportal. Der ein oder andere dichtet auch mal selbst.
Rammstädt zeigt sich täglich mit einem Foto, dass auf die kommenden Textereignisse schließen lässt, oder auch nicht. Er liest einem den Text auf Wunsch auch vor. Andere Abonnenten bekommen eine Emoticonvorschau des Geschehens zu gesandt. Es wird also wirklich Vieles über einen konventionellen Roman hinausgehendes geboten.
Nur zum Bändigen seiner Haare dürfte Rammstädt nicht mehr kommen, manchmal schreibt er bis Mitternacht und die Verlagsleute werden nervös.

Das Projekt des Hanserverlags ist auch schon auf viel Resonanz gestoßen. Auch meine ursprünglichen Frage, ob es nur ein Marketingding ist wurde inzwischen beantwortet. Tatsächlich war der Fortsetzungsroman Rammstätts Idee. Er wollte, wie vermutet, sich zum täglichen, konsequenten Schreiben zwingen. Er wollte das Projekt mit einem kleinen Verlag starten, hat das seinem Stammverlag Hanser erzählt und die wollten dass er das mit ihnen macht. Das Projekt ist also nicht einem Marketingkonzept entsprungen, wird aber nun schon so genützt.

Und als Leser kann man noch immer per Abo einsteigen…