Daniel Kehlmann: „F“ wie Fake?

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Ich mochte weder Daniel Kehlmanns „Ich und Kaminski“, noch seinen Weltbestseller „Die Vermessung der Welt“ und trotzdem habe ich bei „F“ in der Bücherei zugegriffen (Die kleine Bücherei hat nur eine begrenzte Auswahl.) Der Roman bekam bei Erscheinen viel Aufmerksamkeit und zum Teil durchwachsene Kritiken.

Der Roman hat mich – die ich sehr negativ eingestellt war – positiv überrascht. Arthur, dreifacher Vater taucht nach einem Besuch einer Hypnoseshow unter und wird ein berühmter Autor. Seine verwirrt zurückgelassenen Söhne, machen ihren Lebensweg. Martin, der Älteste wird Priester. Seine Stiefbruder Iwan, einer der Zwillinge, wird Kunsthändler, und Eric, der andere Zwilling Bankmensch. Alle drei haben Probleme, Martin ist ungläubig, Iwan eine Kunstfälscher und Eric hat sich verzockt. Ein zufälliges Ereignis formt ihrer drei Leben nachhaltig.

Daniel Kehlmann kann richtig gut schreiben. Er schafft eine spannende Geschichte, lebendige Szenen, glaubwürdige Figuren, er beherrscht die Sprache so gut, dass jede Figur ihre eigene Stimme bekommt. Er hatte mich gewonnen, bis Seite 78. Auf dieser Seite stellt er die Frage, was denn die Ontologie* sei und beantwortet sie nicht. So, als ob das ohnehin jeder wissen müsste. Hier kommt der Angeber in Kehlmann wieder durch. Von da an war meine innere Kritikerin verärgert und fand viele negativen Seiten an dem Roman.

Zuerst einmal das kleinste Übel: Daniel Kehlmann mag keine Frauenfiguren. Er benutzt sie nur zur Dekoration. Sie kommen, bis auf Marie, Erics Tochter, nicht einmal zu Wort.

Der Titel des Romans „F“ steht nach offizieller Auslegung für Fatum, das Schicksal, das hier theoretisch verhandelt wird. Oft wirkt das konstruiert und flach. Theorien in den Dialogen zu verhandeln hat schon bei Thomas Mann nicht funktioniert.

Das „F“ könnte auch für Familie. Arthurs bekanntester Roman, der unzählige Generationen von Männern zurückblickt, spricht dafür. Aber was ist eine Familie ohne Frauen?

Oder „F“ steht für Fake. Alle Protagonisten geben vor, etwas zu sein, was sie nicht sind. Sie leiden, aber scheitern nicht unbedingt daran.

Für mich wirkt der ganze Roman wie ein Fake. Er ist handwerklich meisterhaft, aber gleichzeitig blutleer und ohne Leidenschaft. Und er ist eitel, sein Autor mag seine vermeintlich geistige Überlegenheit nicht verbergen.

Gut, dass ich mir das Buch nur ausgeborgt habe. Eine Kaufempfehlung würde ich nur aussprechen, wenn Du ein Mann bist und auf Philosophie stehst. 😉

*Ontologie = ist eine Disziplin der theoretischen Philosophie. Sie befasst sich mit einer Einteilung des Seienden und der Grundstruktur der Wirklichkeit und der Möglichkeit. (Quelle Wikipedia)

Erstveröffentlichung:2015-06-01 12:00