Abbruch durch Schwangerschaft

Oskar Jascha Gasse Ende 088

Seit ich wieder schwanger bin, fällt mir auf, dass mein Medienkonsum wieder kritischer wurde. Im Fernsehen und im Film ertrage ich viele Dinge nicht mehr.

Neben Gewalt und Not von Kindern, was ja noch logisch und nachvollziehbar ist, stören mich nun auch Verfolgungsjagden, die inhaltlich nirgends hinführen sondern nur nach dem Motto, höher, weiter, lauter, schneller ablaufen. Auch nervige Musik, die dem gezeigten zusätzliches Drama verleihen soll, zwingt mich zum Abschalten (Kundun, eine Dalai Lama Geschichte) Was mich maßlos nervt ist Zynismus und respektloser Umgang der Figuren untereinander. Ich kann diese permanenten dauernden Beleidigungen (z.B.: Two and a half Men, oder Hangover III) nicht mehr hören. Ich finde sie auch nicht lustig, was sie wahrscheinlich sein sollten. Und fäkale Sprache finde ich auch nicht witzig. Das führt mich nun zum Bücherkonsum.

Von Christopher Moore musste ich „Fool“ weglegen, eine König Lear Adaption, weil mich schon die ersten Seiten dieser pubertären Geschichte genervt haben. Ich hatte auf gute, einfach Unterhaltung gehofft. Ich brauche gerade gute, einfache Unterhaltung.

Und trotzdem wagte ich mich in letzter Zeit auch in schwieriges Terrain.

„Jáchymov“ von Josef Haslinger hat mir seit langem wiedermal wirklichem Lesegenuss geboten. Die Geschichte über die Verhaftung des Tschechischen Eishockeynationalteams ist wahr und nimmt kein gutes Ende. Aber sie ist so sensibel erzählt, dass ich das ausgehalten habe. Die Tochter des Tormanns erzählt die Geschichte einem Verleger. Ihr Schmerz ist spürbar. Die Konsequenzen sind noch in ihrem Leben lesbar. Aber die Beschreibung ist dort sachlich, wo sie hingehört. Sie versucht kein künstliche Dramatisierung zu erzeugen, sondern erzählt nüchtern. Das kann ich ertragen, obwohl es mich natürlich extrem berührt.

Doch alleine die nüchterne Beschreibung kann es nicht sein. Mein diesjähriges Firmenweihnachtsgeschenk: „Unterirdisches Österreich – Vergessene Stollen, Geheime Projekte“ von Robert Bouchal und Johannes Sachslehner musste ich weglegen. Das Sachbuch enthält unter anderem Beschreibungen über das Versinken von Zwangsarbeitern in Betonmassen bei einer Tunnelerbauung. Aber ohne sensiblen, künstlerischen Umgang, bin ich allein mit meiner Fantasie und das Versinken findet in den schlaflosen Stunden wieder und wieder statt. Obwohl ich das Buch, sehr interessant finde, muss ich nun bis nach der Stillzeit aufheben.

Was macht mich so sensibel? Meine ebenfalls schwangere Schwester kann problemlos einen „Tatort“ konsumieren, während ich am liebsten nur spielenden Kätzchen zusehen würde?

Erstveröffentlichung: 2014-02-21 12:11