Mutterleseglück – Teil 7: Keep it simple

Mit welchem Buch werden sie ein Freude haben?

Es gilt ähnliches wie in der Schwangerschaft. Nur ist die Sache noch ernster und die Auswahl wichtiger. Denn sie wollen ja keine Zeit mit Lektüre verbringen, die sie ärgert. Denn ihre Zeit ist nun kostbarer denn je.

Zudem sind sie noch immer hormonell beeinträchtigt. Wenn Sie stillen, quält sie vielleicht die Stilldemenz. Sie können sich nichts mehr merken, was nicht unmittelbar mit ihrem Baby zu tun hat. Das beeinflusst auch ihr Leseverhalten. Sie brauchen nicht zu viele Charaktere und eine Handlung, der sie gut folgen können. Scheuen Sie sich nicht, zum leichten Unterhaltungsroman zu greifen. Alles andere wird sie frustrieren. Anspruchsvolle Essays müssten sie nun statt zweimal sicher ganz langsam fünfmal lesen, um sie zu verstehen und dann würden sie sich den Inhalt auch nicht merken können. Verschieben sie diese also auf später.

Auch hier gilt ausborgen ist besser als besitzen, da Ihr Platz aufgrund des neuen Mitbewohners ohnehin schrumpft. Und weiters gilt, von Freundinnen ausborgen ist noch etwas leichter, als in der Bücherei, dem Ort der Stille mit einem schlafenden Baby vorzufahren, und mit einer Riesenangst, dass es gleich aufwacht und schreit, man schnell einige Bücher schnappt und wieder flüchtet, bevor das Baby gemerkt hat, dass sich das Umgebungsklima geändert hat. Eine Möglichkeit ist die Vorbestellung in der Bücherei, oder sie recherchieren Online und schicken wieder den Partner mit einer genauen Mitbringliste. Das ist ein wenig entspannter.

Ein weitere Faktor der ihr Leseverhalten beeinträchtigen wird, ist dass sie keine Nacht mehr Durchschlafen. Das bedeutet, dass sie mehrmals in der Nacht versuchen müssen, wieder einzuschlafen. Manchmal, nach aufregenden Tagen gelingt das schlecht oder gar nicht. Dann liegen sie im Bett und alles was tagsüber in Windeseile an ihnen vorbei gezogen ist, kommt ganz langsam wieder in ihren Kopf zurück. Auch das Gelesenen und sie beginnen darüber nachzugrübeln. Am Beispiel Fernsehen heißt dass, dass sie sich lieber mit Carrie überlegen sollten, was eine Handtasche aussagen kann, anstatt ihrem Partner nachzugeben und Holocaustdokumentationen anzusehen. Dieses Verbot bezieht sich nicht nur auf Holokaustdomumentationen, sondern auch über gute Literatur von Holocausüberlebenden, die sonst sehr empfehlenswert sind: Ruth Klüger und Imre Kertez. Denn alle das Grauen, das sie sehen und über das sie lesen, kommt wieder. Um beim Fernsehen zu bleiben: schauen sie Tierdokumentationen. Wenn eine Kangurumama ganz unkompliziert ihren fuzzikleinen Nachwuchs auf die Welt bringt, der dann ganz winzig und blind in ihren Beutel klettert und sich dort an ihren Zitzen hängend für weitere acht Monate verkriecht, wird ihnen das sicherlich gefallen. Da werden sie des Nachts vielleicht darüber grübeln, warum Menschen keinen Beutel haben, was den Schlaf nicht lange aufhalten wird.

Damit zu den Büchern:

Wir können gleich bei Carrie Bradsahw bleiben, aber bitte lesen sie nicht die Kolumnen von Candace Bushnell, die als Vorlage für die „Sex in the City“ Fernsehserie dienten. Sie sind Schrott. Meiner Meinung nach dürfte die Autorin erst später gelernt haben zu schreiben. Aber das kann sie ganz unterhaltsam. Die „Carriediarys“ die das Leben der jungen Carrie beschreiben sind wirklich gut zu lesen, auch am Roman „One Fifth Avenue“ fand ich ganz unterhaltsam. Wer sich’s anspruchsvoller machen will, kann sich die Bücher ja auf Englisch zu Gemüte führen. Frauenliteratur. Hm. Tja. Na und!

Erstveröffentlichung: 2012-07-19 20:32