Mutterleseglück – Teil 6: Buch und Baby?

Was liest man mit Baby? Doch vor dieser Frage drängt sich noch eine andere auf, eine wichtigere: Wie arrangiert man seinen Alltag, dass man auch mit Baby zum Lesen kommt?

In den ersten Wochen mit dem Baby muss man ein wenig Geduld haben. Bald werden sich Leselücken auftun. Es wird einen Tag geben, da schläft das Baby, und man selbst muss nicht mitschlafen oder sich zwischenzeitlich schnell etwas zu essen suchen. Man war am WC, hat sich geduscht und Zähne geputzt und ist superglücklich, wieder ein paar Minuten Zeit für ein Buch zu haben. Das ist der Anfang.

Dann finden sich weitere Möglichkeiten, zum Beispiel beim Stillen. Ich weiß, dass wird von Stillberaterinnen nicht gerne gehört, aber bei mir wirkte es Wunder. Weil ich mich beim Lesen entspannte, konnte sich auch das Baby beim Trinken entspannen. Und anfangs brauchen die kleinen Zwerge noch relativ lange bis sie sich satt von der Brust fallen lassen. Also da geht schon was weiter. So habe ich Alice Munro doch noch im ersten Monat bewältigt. Wichtig dabei ist, eine Stillposition zu finden, die einem eine oder noch besser zwei frei Hände ermöglicht und auch für das Baby bequem ist. Zuerst habe ich es in der Seitenlage praktiziert, was gut geht und dann habe ich meinen Stillschaukelstuhl mit dem bequemen Riesenpolster, den ich quer vor mich von einer Seitenlehne zur anderen lege. Auf dem befindet sich dann ganz entspannt das Baby in Brusthöhe und ein Buch. Mit etwas Glück verschläft das Baby und sie können noch länger lesen. Leider hat diese Form des Lesens ein Ablaufdatum, denn das Baby wird immer schneller beim Trinken. Und in 5 Minuten passiert lesetechnisch nicht mehr viel.

Was ich mir in der Schwangerschaft so schön vorgestellt hatte, ich gehe mit dem Baby spazieren, warte bist es schläft und setzte mich auf eine lauschige Parkbank und lese, funktionierte mit meinem Baby leider nicht. Mein Baby beschwerte sich sobald der Kinderwagen stehen blieb. Also musste ich, um es im Schlaf zu halten spazieren, stundenlang, bei jedem Wetter.

Auch das Lesen in der Straßen- oder U-Bahn funktionierte nicht. Denn da hatte ich zu tun, ein schreiendes Baby zu beruhigen. Denn das Baby fand es ungeheuerlich, dass sich der Zug erlaubte, ständig sehen zu bleiben, so kann man doch nicht schlafen.

Aber die Zeiten ändern sich. Und ich hätte nun schon ein paar Mal Zeit gefunden in den Zügen zu lesen, nur habe ich im Kinderwagen kein Buch. Ein Fehler, ein großer Fehler!

Irgendwann kommt die Zeit, in der sie wieder die Energie haben, am Abend länger als ihr Baby aufzubleiben. Da Sie allerdings nie sicher sein können, ob sie einen Film oder die Folge einer Serie fertig ansehen können, ohne dass sie von einem hungrigen Kind unterbrochen werden, sind Bücher wieder ihre besten Freund. Das Buch warten auf sie, auch wenn sie an dem Abend schon fünf Mal unterbrechen mussten, um das vom Tag überforderte Baby wieder und wieder in den Schlaf zu wiegen.

Erstveröffentlichung: 2012-07-16 20:30