Extrem laut und unglaublich nah (…ein wunderbarer Titel)

„Extrem laut und unglaublich nah“ ist der zweite Roman von Jonathan Safran Foer.

Der neunjährige Oskar Schell findet nachdem sein Vater beim Anschlag auf das World Trade Center ums Leben gekommen ist, in dessen Kasten einen Schlüssel, von dem er nicht weiß, in welches Schloss er gehören könnte. Am Kuvert, dass neben dem Schlüssel liegt, steht der Name Black. So beschließt der oberkluge Oskar sich auf die Suche nach dem passenden Schloss zu machen und dabei alle New Yorker Einwohner mit dem Nachnamen Black zu befragen. Ein Nachbar, der auch Black heißt, begleitet ihn. Seiner Mutter und auch seiner Großmutter verschweigt er diese Expeditionen.

Die Großmutter ist die Mutter des verstorbenen Vaters und lebt auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Ihr Mann, der wie sie den Bombenangriff in Dresden überlebt hat, hat sie verlassen, als sie von ihrer Schwangerschaft erfuhr. Zur Zeit des Krieges war der Großvater Thomas Schell mit der Schwester der Großmutter, Anna zusammen, die von ihm ein Kind erwartete. Sie überlebte das Bombardement nicht, was Thomas veranlasste nach und nach seine Sprache zu verlieren und schließlich gar nicht mehr zu sprechen.

Die beiden Geschichten von Oskar auf den Spuren des letzten Rätsel, das ihm sein Vater aufgegeben hat und die Geschichte der Großeltern sind wunderbar verwoben. Die Vergangenheit wird anhand von Briefen von der Großmutter an Oskar und vom Großvater an den Vater erzählt.

Der Roman ist nicht nur ungewöhnlich gut geschrieben und komponiert, er ist auch mit Fotos, Bilder und wechselnde Schriftarten, Schrift- und Zeilenabständen illustriert. (Das Foto oben ist eine von mir unbehandeltes Seite aus dem Roman) Obwohl das normalerweise nicht notwendig ist, weil der Leser sich die Dinge vorstellen kann, passt es hier komischerweise sehr gut. Denn auch die Romanfigur Oskar führt ein „Was-ich-erlebt-habe Album“, in dem er Bilder und Dokumente sammelt.

Erstveröffentlichung: 2008-01-27 16:08